Feiern gegen Tanzverbote! Veranstaltungen in München an Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag

Die lange Nacht des Karfreitags im April 2017 im Oberangertheater
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Trotz Musik- und Tanzverbots in Bayern wird der Bund für Geistesfreiheit München (bfg München) an den sog. "Stillen Tagen" Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag 2024 wieder in verschiedenen Münchner Clubs und Bars feiern. Wir laden alle Menschen herzlich dazu ein mitzufeiern. Über die genauen Termine werden wir Euch informieren.
Einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist es zu verdanken, dass an "Stillen Tagen" ein buntes Programm mit Musik und Tanz stattfindet kann.

Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2016 darf trotz Musik- und Tanzverbots an Stillen Tagen gefeiert werden. Die Richter*innen in Karlsruhe hatten am 7. Oktober 2016 entschieden, dass Artikel 5 des Bayerischen Feiertagsgesetzes mit der Weltanschauungsfreiheit und der Versammlungsfreiheit nicht vereinbar ist. Damit folgte es einer Verfassungsbeschwerde des bfg München, der sich nach dem Verbot seiner "Heidenspaß- statt Höllenqual-Party" an Karfreitag 2007 durch alle Instanzen geklagt hatte.
 
Seitdem sind an Karfreitag und allen anderen acht "Stillen Tagen" Ausnahmen möglich, wenn Feste und Feiern "Ausdruck einer klaren weltanschaulichen Abgrenzung gegenüber dem Christentum" sind. Das trifft auf die Veranstaltungen und Partys des bfg München zu. Die Körperschaft des öffentlichen Rechts tritt ein für die strikte Trennung von Kirche und Staat sowie für Bürgerrechte und Demokratie. Die Organisation versteht sich als Weltanschauungsgemeinschaft und orientiert sich an der Charta der Menschenrechte und den Grundsätzen der Aufklärung.
 
Auf Grundlage des Urteils des Bundesverfassungsgerichts hat der bfg München "Heidenspaß-Partys" im Oberangertheater (2017), Blitz Club (2018/19) und in der The Keg Bar sowie der Kulturbühne Hinterhalt (beide 2022) mit Tanz, Live-Musik, Kabarett und vielem mehr veranstaltet. An Gründonnerstag und Karfreitag 2023 waren es dann schon sieben Veranstaltungen, im November 2023 (Allerheiligen, Buß- und Bettag, Volkstrauertag und Totensonntag) ingesamt 14 Feste.

Weltanschauliche Abgrenzung

Auf unseren Festen muss regelmäßig, so will es das Münchenr Kreisveraltungsreferat, eine sogenannte weltanschaulichen Abgrenzung kundgetan werden, um in Clubs und Bars tanzen und feiern zu können. Hier ein Beispiel:
 
"Laut bayerischem Feiertagsgesetz darf eigentlich an einem christlichen Feiertag wie heute nicht getanzt und gefeiert werden. Für den Bund für Geistesfreiheit München gilt das jedoch seit 2016 nicht mehr.
 
Laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts darf der Bund für Geistesfreiheit trotz Musik- und Tanzverbots an sog. „Stillen Tagen“ in Clubs und Bars tanzen und feiern., wenn Feste und Partys "Ausdruck einer weltanschaulichen Abgrenzung gegenüber dem Christentum" sind.
 
Deswegen müssen wir uns - anders geht es laut Münchner Kreisverwaltungsreferat nicht – an einem Stillen Tag regelmäßig "weltanschaulich abgrenzen". Klingt seltsam und ist es auch. Aber wir tun das jetzt mal - uns weltanschaulich abgrenzen:
 
Liebe Tanz- und Feierfreudige,
 
warum sollte jemand an stillen Tagen nicht tanzen dürfen? Woran soll sich ein gläubiger Christ stören, wenn eine Party in einem geschlossenen Raum stattfindet? Und es kann auch nicht Aufgabe des Staates sein, Menschen Vorschriften zu machen, wie sie an einem Feiertag ihre Freizeit verbringen sollen, oder?
 
Selbstverständlich sollen und dürfen Christ*innen, in Stille und Trauer gedenken. Sie dürfen aber Anders- und Nicht-Gläubige nicht zwingen, es ihnen an einem solchen Tag gleich tun zu müssen. Wir zwingen ja auch niemanden, mit uns zu tanzen.
 
Und natürlich haben wir als Bund für Geistesfreiheit München eine wirklich Frohe Botschaft: alle Menschen sind herzlich eingeladen an den Stillen Tagen zu unseren Partys zu kommen. Und mit "alle" meinen wir alle!
Nicht nur Ungläubige sind willkommen, sondern auch Gläubige, Andersdenkende, Zweifelnde jeden Alters, jeden Geschlechts, jeder sexuellen Orientierung, jeder Herkunft.
 
Auf einen wunderbaren, friedvollen, gut gelaunten, echten Feiertag!"